Den Vorausfahrenden aussuchen

Vielleicht würde Schumi nun schmunzeln, denn ich will zum Windschatten vordringen. Sieht man ein vorausfahrendes Fahrzeug als ein Hindernis im Wind, so befindet man sich dahinter in einer Zone, in der der Wind nicht mit der vollen Wucht aufprallt. Das rechnet uns der Luftwiderstand an. Bedeutsam wird das, wenn der Wind die dominante Rolle der Fahrwiderstände übernimmt, beim Auto ab etwa 75 km/h. Die mögliche Ersparnis bei 100 liegt bei etwa 15%.



Zugvögel nutzen das perfekt in der Formation, Fahrradfahrer beim Fahren im Pulk, Inline-Skater im Gleichschritt. Die Bauern mit Hilfe von Baumreihen gegen Erosion. Und außer beim Wettsegeln, wo man sich nur den Wind aus den Segeln nimmt, kann man den Windschatten als durchweg positiven Effekt kennen lernen.

Bei Sportwagenrennen ist Windschattenfahren ein wichtiges Element, um vor allem Sprit zu sparen, da jeder zusätzliche Zeitverlust für Boxenstopps ins Gewicht fällt.

Das Fahren in der Kolonne

Sollte man sich sein Tempo diktieren lassen? Muss man überholen, wenn jemand 5 km/h langsamer ist? Ist man im Auto nicht schon anonym genug? Das Stück, das Sie wegen 5 km/h Differenz gut machen, kostet Sie auf 200 km gesehen kaum eine Minute. Dafür können Sie aber allen im Auto ein Eis spendieren, oder dem/der Vorausfahrenden.

Wenn Sie einer Kolonne voraus fahren und damit selbst die Geschwindigkeit festlegen, bevorzugen Sie örtliche Richtgeschwindigkeit (30, 50, 100 oder 130 km/h). Gehen Sie bei jeder Kolonne davon aus, dass darin Tempomatfahrer vertreten sind. Auch wenn Sie selbst keinen haben, wählen auch Sie aufgrund der Dekadenraststellungen eine Geschwindigkeit mit vollen 10 km/h und halten diese möglichst genau ein.

Auch Überland ist es eine Frage wert, ob ein LKW überholt werden muss. LKW haben mehr vorausschauendes Fahren im Blut und sind somit ideale Vorausfahrer (Die machen den Weg frei). Auch ohne Windschatten, allein durch ihr Tempo ist das Folgen verbrauchsoptimal.

Haben sie Bedenken, einem Bus oder LKW zu dicht auf die Pelle zu rücken? Prinzipiell ist es doch schön, wenn andere folgen. Der LKW-Fahrer wird keine Angst haben, dass Sie ihm auffahren, da das für ihn kaum mehr als ein paar Kratzer, für sie aber meist Totalschaden bedeutet.

Drei Größen für den Spareffekt

Hohes Tempo vergrößert die Windschattenwirkung. Aber die stärker werdende Windschattenwirkung wird nicht gegen den quadratisch wachsenden Luftwiderstand ankommen. Selbst wenn der Windschatten bei 140 km/h (statt 120 km/h) ganze 20% (statt 10%) des Windes abhalten könnte, bringt es Ihrem Karren nichts, denn die Kraft des Windes wird um 35% stärker.

Engerer Abstand vergrößert die "Sogwirkung". Aber wir wollen Distanz nehmen zu unerlaubten Dingen. Wir brauchen Abstand; nur er gibt Zeit zum Reagieren, denn wie oben gesehen, kann man ohne ihn nicht voraus sehen.

Der/die Vorausfahrende wollen gewählt sein. Doch so lange niemand Attraktives da ist, kann man da nach der Windschattenwirkung gehen. Alle weiteren Details verdanken wir einem netten Herrn aus Ostfriesland. Bei ihm gibt es zwar weniger Berge zum Abrollen, dafür mehr Wind:

"Auf meinen täglichen Fahrten fahre ich gerne hinter großen Fahrzeugen (mit entsprechendem Sicherheitsabstand natürlich) und habe folgende Zusammenhänge gesehen:

Am günstigsten sind Omnibusse, danach breite und lange Wohnmobile, danach möglichst lange kastenförmige LKWs, am besten mit durchgängigen Schmutzfängern (die den Wind unterhalb der Karosse abhalten). Weniger empfehlenswert sind Tanklaster."

ACHTUNG: Der Mindestabstand richtet sich nach Örtlichkeit und Lage sowie der Fahrgeschwindigkeit. In Deutschland gilt bei normalen Verkehrsverhältnissen die in 1,5 s durchfahrene Strecke ausreichend. Als Anhaltspunkt kann auch der halbe Tachometerwert dienen. Bei dichtem Verkehr, hohen Geschwindigkeiten und beim Kolonnenfahren ist ein größerer Abstand angemessen.