Länger fahren, weniger Arbeiten

In Ordnung, ich kapiere schon: Sie haben sich dieses tolle Auto nicht gekauft, um 100 zu fahren. Und Sie wollen schneller ans Ziel kommen, weil es Ihnen das wert ist. Sehen wir es doch wirtschaftlich oder rein finanziell. Lassen Sie mich bitte dieses Beispiel vortragen:

Teststrecke Hamburg nach Düsseldorf (Lesererfahrung):

Ab und zu muss ich von Hamburg nach Düsseldorf fahren. Das ist meine Teststrecke für den Verbrauch:

  • Wenn ich es furchtbar eilig habe, brauche ich 3 Std. 15 Minuten und 12 l/100km. Wobei bei der "Tieffliegerei" noch ein Tankstopp oben drauf kommt.
  • Bei normaler Fahrt (max. 120 km/h) sind es etwa 3 Std. 45 Minuten und 8 l/100km.
  • Der andere Rekord (max. 100 km/h) liegt bei knapp 4 Std. und 6,5 l/100km. Mit 15 Minuten Geduld kann ich also 6 l Benzin weniger in die Landschaft kippen. Finde ich OK.

Teststrecke mit Benzinpreisen (nachgerechnet)

Viele arbeiten mehr fürs Geld und weniger fürs Vergnügen. Ich stelle die Behauptung auf: Bräuchten wir weniger Geld, könnten wir auch weniger arbeiten.

Hamburg-Düsseldorf sind 410 km. Bei einem Benzinpreis von 1,5 EUR erhebt die Tankstelle diese Tank kosten.
  • Der Tiefflieger braucht also 48 l => 72 EUR.
  • Der Normalfahrer braucht 32 l => 48 EUR.
  • Der Spritsparer braucht 26 l => 39 EUR.
Wer bekommt von seinem Arbeitgeber denn bitte 24 EUR steuerfrei in 30 min (120 statt rasen)? Und wer bekommt 33 EUR steuerfrei in 45 min (100 statt rasen)? Ist das ?

Benzinpreis und Arbeitszeit (in Relation gebracht)

Anders gesagt, der Raser mit 7 EUR Netto-Gehalt wird für seine 45 min schnellere Ankunft knappe 5 Stunden mehr arbeiten müssen. Das ist kein Witz! Selbst wenn alle Sitze besetzt sind und alle teilen sich das Spritgeld, wird für 45 Minuten frühere Ankunft kollektiv 1 Stunde länger gearbeitet. Die Reifenabnutzung würde diese Betrachtung noch weiter dramatisieren.

Warum also? Wozu schwitzige Hände, der Stress und die Gefahr? Warum 60% mehr verbrauchen, um 20% schneller am Ziel zu sein, dabei aber an der Zapfsäule vom "100 Fahrer" überholt zu werden? Wie viel ist der Stress wert, übertrieben schnell zu fahren?

Ist es wirklich so schlimm, Zeit im Auto zu verlieren? Ist man mit 100 im Mercedes schon reif fürs Altenheim? Darf man seine 200 PS Maschine auf dem rechten Fahrbahnstreifen versauern lassen und damit zugeben, dass die Leistung kaum ausgenutzt wird? Kann es sein, dass man selbst nicht der schnellste ist? Darf man selbst zur Gurke werden, die man gestern noch auf den Mond schicken wollte?

Anmerkung: Einfach und wichtig: Sie alleine haben Ihren Verbrauch im Pedal. Sollten wir Autobahnen nicht einfach umdefinieren von "Heizstrecke" zu "kreuzungsfreie Spritsparstrecke"? Selbst wenn wir Deutsche sind und es dürften?

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