Decelerate-Sequenz (Verzögerungssequenz)

Eine Decelerate-Sequenz (Verzögerungssequenz) besteht ausschließlich aus den Betriebsarten „Verzögern“ sowie „Geschwindigkeit halten“.

Insbesondere an Autobahnabfahrten ist dabei optimal am frühestmöglichen Punkt mit maximaler Freilaufstrecke möglichst schwach zu verzögern, so dass Sie am Ende mit der genau benötigten Geschwindigkeit ankommen. Anhaltspunkte dafür können besonders als Pendler aus der Beschilderung gewonnen werden. Dabei wird nach mehreren Versuchen für jedes Schild eine neigungsabhängige optimale Geschwindigkeit ermittelt, die beim Passieren den richtigen Segelstartpunkt verrät. Die Vorwegweiser stehen an horizontalen Abschnitten meist so weit auseinander, dass bei Freilauffahrt dazwischen jeweils ca. 20 km/h abgebaut werden. Vielleicht kommen irgendwann auch Entscheidungsträger mal auf die Idee, diese Geschwindigkeiten im Klartext auf die Schilder zu schreiben und Geschwindigkeitsbeschränkungen als Verzögerungskette in gefälleabhängigen Optimalabständen für PKW-Freilaufbetrieb aufzustellen.

Direktschaltautomatikgetriebe bauen durch Dekadendekrement eingegebene Übergeschwindigkeit zuerst durch Gaswegnehmen und nur auf steilem Gefälle auch durch Herunterschalten ab. Erst wenn die vertretbare Maximaldrehzahl (kalt ca. 3000, warm ca. 4000 U/min) erreicht ist, wird automatisch wie auf flacherem Gefälle oder bei allen übrigen jüngeren Getrieben sofort auch auf die Bremse zurück gegriffen. Vermeiden Sie letzteres, indem Sie die Sollgeschwindigkeit nur mäßig unter die Istgeschwindigkeit setzen oder den Tempomat lieber temporär abschalten. Wenn Sie den Verzögerungsstartpunkt nicht genau getroffen haben oder von der optimalen Verzögerung abweichen müssen, um für einen Fahrstreifenwechsel noch in eine Lücke einzufädeln, initiieren Sie eine Verzögerungsverstärkung, indem Sie die Motorbremse in benötigten Gängen oder notfalls die Bremse nutzen. Zur Verzögerungsabschwächung leiten Sie einen Verzögerungsinterrupt ein, indem Sie die aktuelle Geschwindigkeit als neue Sollgeschwindigkeit setzen und diese für die benötigte Zeit mit dem Tempomat konstant halten.

Da intelligente Energiemanagements fehlende Batterieladung verstärkt zu Lastbeginn nachladen und zu Leerlaufbeginn sowie nach Wiederauffüllung des Ladungsdefizits mit einer relativ langen Zeitverzögerung bedarfsgerecht zurück regeln, verschiebt sich dieser Zusatzverbraucher „Lichtmaschine“ nach jedem Verzögerungsinterrupt unerwünscht etwas in die Leerlaufphase. Versuchen Sie deshalb besonders als Pendler auf derselben Strecke mit etwas Übung möglichst sofort den richtigen Segelstartpunkt zu erwischen, da Sie sonst den zugehörigen immensen Spritspareffekt reduzieren. Zwischenzeitliches Bremsen oder gar Wiederbeschleunigen während der Verzögerungssequenz sollte generell vermieden werden. Wenn Sie erst nach der Autobahnbrücke abfahren wollen, kann – sofern Sie niemand behindern - auch im Leerlauf zum noch ausreichend schnellen Überholen der vor der Brücke kriechenden Fahrzeugkolonne angesetzt werden, um nicht selbst vorher ausgebremst zu werden.

Sofern kurz vor dem optimalen Segelstartpunkt ein langes, für die Geschwindigkeitserhaltung aber zu flaches Gefälle voraus geht, sollten Sie darauf trotzdem segeln. Sie werden Ihre Geschwindigkeit dann lediglich etwas früher abbauen. Bevor Sie drohen, zum Verkehrshindernis zu werden, starten Sie einen vorübergehenden Verzögerungsinterrupt und setzen die Verzögerung etwas später an der richtigen Stelle fort. Die enorme Spritersparnis dieses „Degressiven Segelns“ (Freilaufrollen mit Geschwindigkeitseinbuße) ist vor ohnehin erforderlichem Geschwindigkeitsabbau weitaus größer als der Mehrverbrauch des Verzögerungsinterrupts durch Batterienachladung während der Freilaufphase. Der zusätzliche Zeitverlust liegt weit unter einer Minute und ist damit kaum der Rede wert. Bitte beachten Sie, dass Sie beim degressiven Segeln zuerst viel und dann immer weniger Geschwindigkeit pro gleich langem Längenabschnitt abbauen. Je langsamer Sie werden, desto mehr nähern Sie sich auch dem GNV. Wenn ich auf meiner Pendlerabfahrt den 500 m-Vorwegweiser mit stabilisierten 130 km/h passiere und dabei den Tempomat abschalte, baue ich beim Segeln auf der fast waagrechten 500 m langen Reststrecke 40 km/h ab und komme am Ausfahrtschild mit den benötigten 90 km/h an. Beginne ich damit schon beim 1500 m-Vorwegweiser, baue ich auf dem etwas steileren Gefälle bis zur 500 m-Marke nur wenig Geschwindigkeit ab und erreiche das Ausfahrtschild mit 80 km/h. Flechte ich bei dichtem Verkehr zwischen 90 km/h und dem Ausfahrtschild noch einen 100 m langen Verzögerungsinterrupt ein, habe ich meinen Geschwindigkeitsabbau von 40 km/h um das 2,8fache auf ca. 1400 m gestreckt – mit zugehöriger enormer Spritersparnis versteht sich. Alleine diese 1,4 km lange Segelstrecke von der 32 km langen Gesamtstrecke fast ohne Treibstoff zurückzulegen erbringt eine Ersparnis von knapp 4,37 %. Der gesamte Streckenverbrauch reduziert sich alleine dadurch um satte 0,3 bis 0,4 l/100km. Mit der richtigen Fahrweise kann man also auch bei gleicher Geschwindigkeit enorm Treibstoff sparen.

Unterlassen Sie degressives Segeln, wenn Sie keinen Grund für einen zwingenden Geschwindigkeitsabbau haben, da die anschließende Wiederbeschleunigung in jedem Fall mehr Sprit kostet, als die Ersparnis bringt.

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