Klimaanlage

Mit Klimaanlagen werden heute fast alle Neufahrzeuge ausgerüstet. Doch gibt es kalte Luft umsonst? Wäre es denn nicht besser, alle würden ihre Klimaanlage einschalten, um der globalen Klimaerwärmung entgegenzuwirken? Nein, leider im Gegenteil. Wie in einem Kühlschrank wird der Innenraum zwar gekühlt, die Außenwelt dagegen wird umso mehr erwärmt und das kostet Energie — in Summe wird immer mehr Wärme produziert als Kälte.

Autohersteller geben keine Verbrauchswerte der Klimaanlagen an. Untersuchungen des TÜVs ergaben jedoch erschreckende Ergebnisse: Bei 30°C ergaben alle 5 getesteten Fahrzeuge im Stadtzyklus einen Mehrverbrauch zwischen 1,8 und 3,73 L/100 km. Mit einer Sonnenlichtsimulation sogar um die 5. [4] Außerorts sind es zwischen 0,3 und 0,7 L/100 km.

Kalte Luft kostet satte Leistung. Somit mutiert so mancher Kleinwagen schnell zur lahmen Isetta.

Wenn es kalt ist, könnte man meinen, dass die Klimaanlage nichts zu tun hat und somit nichts verbraucht. Auch dann verbrauchen ältere Klimaanlagen ca. 1 L/100 km, da diese nicht in der Lage sind, ihren Kompressor bei Nichtgebrauch abzukuppeln oder drucklos leer laufen zu lassen. Also Klimaanlage ausschalten. Aber Achtung: Klimaanlagen brauchen im Verlauf ihres Winterschlafs immer wieder einen zumindest kurzen „Pumpenkick“, damit sich darin nichts Gesundheitsschädliches (z. B. Legionella) einnistet, das dann in der kommenden Saison oder der Werkstatt seinen Tribut fordert. Die Klimaautomatik jüngerer Fahrzeuge hilft, das zu automatisieren. Dann sollte sie jedoch bei hoch eingestellter Solltemperatur (ab 22°C) eingeschaltet bleiben.

Bei Kurzstrecken läuft sie oft unbeachtet und überflüssig, weil die Kühlung erst nach vielen Kilometern spürbar ist und sobald man Tür oder Fenster öffnet, verflüchtigt sich die mühsam erzeugte Kälte wieder.

Zeigen Sie dem Verbrauchparasit „Klimaanlage" Ihre kalte Schulter: Klima aus, Fenster auf und Arm raus! Sieht nicht nur cooler aus — ist gesünder und auch cool für den Verbrauch, so weit man nicht gerade 200 schlittert. Die Klimaanlage braucht meist mehr Sprit als offene Fenster.

Inzwischen rät jeder Verkäufer, eine Klimaanlage in das Paket aufzunehmen, wenn sie nicht schon serienmäßig drin ist. Selbst wenn Sie sie nie benützen, so rät er, wird der Verkaufswert ohne Air-Condition in den Keller gehen. Auch die Unfallgefahr wird reduziert, da man mit Einschalten die Konzentrationsbereitschaft auch im Backofen erhält. So ist die Klimaanlage endgültig auf Siegeskurs und steigt mit ihren Kilos und ihrem Verbrauch überall ein.

Man merkt, ich bin nicht der Freund von Klimaanlagen. Ich pfeif drauf, selbst wenn ich bei 45°C in Australien fahre oder bei 30°C und 95 % Luftfeuchtigkeit in Alabama. Ich genieße die Hitze und den Wind aus den Fenstern. Für mich muss Sommer Sommer sein. Für alle Leute, die sich das gesundheitlich nicht zutrauen können, ist natürlich an der Klimaanlage an der falschen Stelle gespart. Schließlich braucht man ja zum Autofahren einen freien Kopf.

Daher traf mich der letzte Siegeszug der AC-Anhänger hart: Eine Verwandte wollte ein TT-Cabrio und ließ sich beraten (von Klimaanlagennutzern): „Der TT ist ein tolles Töfftöff, aber ein Cabriolet ist überflüssig, das ist eh viel zu heiß. Wir haben das erst im Mai probiert und sind vor Hitze total eingegangen. Entweder musst du ihn schließen, damit die Klima wirkt oder es ist einfach zu kalt für oben ohne.“ Nun hat sie das Blechdach an der Backe und der AC-Knopf ist gedrückt.

Add Comment

* Required information
1000
Enter the word hand backwards.
Captcha Image
Powered by Commentics

Comments (0)

No comments yet. Be the first!