Warum Fahrten sparen? In 4 Akten

Wie ich zum Auto kam



Akt 1: Der Schritt zur Mobilität

Alles fing mit dem Bobby-Car an, den ich nie bekam. Jahre und Zahltage später, stand der Traum ferne Ziele anzusteuern und dort Vieles zu erleben vor der Haustür. Vater sagte: "Fahr nicht so viel, heb dein Auto fürs Wochenende auf". "Ja klar, Papa — so viel für das werte Stück gelöhnt, verkraft den Unterhalt, also will ich auch überall damit hin fahren." Dass das heiligs Blechle im Endeffekt nur für den In-Dorf-Verkehr in Verkehr gebracht war — ganz entgegen meinen Träumen — wurde mir nie wieder bewußt. Für meinen Umkreis hätte ich es an und für sich garnicht gebraucht.

Zurückgedacht, früher ohne Führerschein, hat mir das Auto nie gefehlt. Wobei es früher auch schon jede Menge Dinge zu erledigen gab. Aber 1 war anders: Die Wege waren 100-mal lebendiger. Egal ob Bus, zu Fuß oder mit dem Fahrrad — schon der Weg machte Laune, war oft das Ziel oder veränderte diese.

Sagen wir mal: Es blieb nix anderes übrig. Jeder hier fährt doch Auto, auch die Eltern. Als ich mit 19 Jahren vom Stadtbus aufs Auto umstieg, konnte ich ja nicht ahnen, wie teuer Arbeitswege werden und welchen Schatten Stress und Staus auf die neue Freiheit werfen.

Erst mal ans Auto gewöhnt, kommt man kaum mal mehr zum Wahllokal ohne. Die Laufkultur ist auf und davon. Sicher hat man die Wahl, doch das fahrbereite Auto vor der Haustür, wird zum besseren Freund des Menschen als ein Hund. Hat uns das Dogma der Bequemlichkeit an der Leine? Ist der autofreie Sonntag nicht ein Beweis dafür?

Akt 2: Lebensgefühl von Autoinsassen

Im Auto bleibt man wohl unabhängig und man fährt sich Zeitvorteile ein. Doch dafür verkümmern auch viele Stunden unserer achso eng bemessenen Zeit im dichten Berufsverkehr. Wie viele Menschen verbringen ihre wertvolle Zeit aufgebracht im stehenden Auto sitzend, weil sie hilflos ansehen müssen, wie minütlich nur wenige Autos eine Kreuzung weiter ziehen? Wie viele sind schon abgestumpft? Das Erlebnis, als stummes, kleines Glied, im Schlepptau einer schier endlos erscheinenden Stahlkette zu sein, ist nicht zwingend berauschend:

Hält man sich den bitteren Beigeschmack vor die Augen, sprechen alle Sinne an: In mitten stinkendem Qualm und erschreckendem Lärm prasselt uns im Gehege des Schilder- und Signalwaldes eine volle Ladung optischer Reizüberflutung auf uns ein. Wir werden konfrontiert mit dem Stoff für Anspannung, Aufregung und Stress.

Auch aus energietechnischer Sicht ein trauriger Anblick. Die allermeisten der 1,5 Tonnen schweren Autos bewegen nur ein einziges Menschlein durch Stopp and Go. In Atlanta (USA) gibt es auf vielspurigen Straßen eine Spur links vorgesehen für Fahrzeuge, die mit mehr als einem Fahrer besetzt sind. Trotz dichtem Verkehr hab ich diese Spur vollkommen leer gesehen. Ist das Effizient?

Akt 3: Gibt es Sternbilder im Auto?

Lasst uns in die Ferne schweifen — nur ganz kurz: Das ist entspannender als Akt 2. Bei allen Vorteilen, die großzügige Beleuchtungen zeigen, so mancher Sternkucker trauert den Zeiten ohne immernoch hinterher. Das extrem gewordene Streulicht durch künstliches Licht, verblendet die Sicht auf den eigentlichen Nachthimmel mit seiner schier unendliche Zahl von Sternen, mehr als der Vollmond.

Mit ihrem Anblick ist auch ein ganz besonderes Feuer verschwunden: Ein Augenblick des Träumens und Schwärmens, in dem so manche liebevolle und kreative Idee geboren wurde, wie inneres Blumen pflücken wie Seele.

Doch nicht nur die Lichter der Werbeplakate und Straßen in unseren Städten rauben uns Momente zum Gedanken schweifen lassen.

Bei aller Zeit, die man durch die Geschwindigkeit im Auto gewinnt. Im Autoverkehr zwischen Terminen und Job und beim Fernsehen geht eine Zeit verloren, in der man Gedanken frei fassen kann, kreativ sein kann und träumen kann. Denn diese seelische Erholung gedeiht nur in den Zeiten, in den man stressfrei ist: Beim Laufen, Bus fahren oder beim Sterneschauen halt. Es ist ein Faktum: Als Männer vor paar Generationen noch 14 Stunden täglich schafften und dorthin 2 Stunden lauften mussten, waren sie bei weitem nicht so gestresst, wie der Durchschnittspendler heute.

Akt 4: Das gute Auto und das liebe Geld

Bringen wir noch den Kostenpunkt an: Mit meinen Gehältern waren zwei ganze Tankfüllungen im Monat drin. Mit dem Schnee kamen die Winterreifen und 300 EUR gingen drauf, Ölwechsel und zack auf zack folgten erste Reparaturen an Auspuff, Manschette, Lichtmaschine, Verteiler, Batterie, Scheinwerfer. Hoffentlich haben manche weniger Pech mit Verschleißteilen.

Schmerzhaft wurde mir eingeimpft, dass Fahren nicht nur Benzin kostet. Wenn Benzin für 100 km heute EUR 13 kostet, bin ich mit Reifen, Verschleißteile und Öl im Nu bei EUR 25 pro 100 km. Das Auto hat doch ein Pferdefuß. Meine Rechnung ist noch tief gegriffen. Der ADAC schätzt selbst die Betriebskosten eines sparsamen 1,4L Polos auf ca. 35 ct pro Kilometer.

Ich bin heute noch dafür dankbar, dass ich über die Kosten nicht Buch halten musste. Aber ich weiss, der größte Teil meiner Ausgaben verschwindet in und mit dem Auto. Reparaturen, Pflege, TÜV und ASU, Versicherung, Steuer und Benzinkosten nagen unbemerkt, aber nimmersatt an den Geldscheinen, auch ohne dass ein Unfall passiert. Letztlich kommt so ein großer Teil des schwer verdienten Geldes unter die Räder, dass viele alleine zwei Tage in der Woche nur dafür arbeiten, dass sie eine halbe Stunde früher ins Geschäft kommen. Das ist eine Tatsache!