Turboaufladung

Turboaufladung war ursprünglich für den Rennsport entwickelt worden, um aus denselben PS-Monstern ohne weitere übermäßige Massenmehrung noch mehr PS zu kitzeln und ohne hierzu den Motorraum verlassen zu müssen.

Kleinwagen mit Leistungen unter 100PS erzeugen diese heute ohne Turbolader aus kleinen Hubräumen bis 1,1L. Ab 100PS ist heutzutage nahezu in jedem Neufahrzeug mit Benzin- oder Dieselmotor ein Turbolader zu finden, da mit angepasstem Einsatz dieser Technik auch der Sparsamkeit gefrönt werden kann. Um die wenigen, auf die das nicht zutrifft, machen Sie besser einen Bogen.

Aus einem kleineren Motorblock kann dieselbe Leistung erzeugt werden, indem man gegen schlechteren Verbrauch, mehr Wartungsaufwand den Drehzahlbereich bei kürzerer Lebenserwartung erhöht. Das gleiche erreicht man ohne diese Nachteile mit einem entsprechend ausgelegten Turbolader. Aus Abgastemperatur und –druck wird ein Aufladedruck erzeugt, mit dem das Luft-/Kraftstoffgemisch in den Motor gedrückt wird. Dieser füllt sich somit mehr, als sein Hubraum das bei Normaldruck vorsieht.

Eine für dieselbe Leistung bei gleicher Drehzahl kleinere Motormasse mit weniger Metall, Öl und Kühlwasser im kleinen Kühlkreis wird zunächst mal schneller warm und reduziert damit die Kurzstreckenzusatzverluste. Die leichteren beweglichen Teile verursachen ebenfalls weniger Massenbeschleunigungsverluste. Der kleinere Hubraum ermäßigt den Kfz-Hubraumsteueranteil (2,00€ pro angefangene 100cm3 und Jahr) und der aufgrund des geringeren Verbrauchs auch geringere Schadstoffausstoß ermäßigt den Kfz-Schadstoffsteueranteil (2,00€ pro auf einem km freigesetztes Gramm Kohlendioxyd, das die baujahrabhängige Freigrenze von 120 oder 110g/km übersteigt und Jahr).

Jeder Turbo arbeitet erst oberhalb seiner ausgelegten Drehzahlschwelle von 1.500-2.200 U/min und ist darunter deaktiviert. Damit wird weiteres Sparpotenzial erschlossen, da im Schwach- und Teillastbetrieb unterhalb dieser Schwelle nun ein kleinerer Motor seinen Dienst sparsamer als ein größerer Motor ohne Turbolader verrichtet. Die Nutzung dieser Funktion erfordert jedoch etwas Übung, sobald auch der Motor beim Anhalten automatisch oder manuell abgestellt wird.

Ist zusätzlich eine automatische Handbremse vorhanden, wird beim Abstellen des Motors z.B. der Audi Hold Assist (leicht angezogene Handbremse mit Wegrollüberwachung) ebenfalls deaktiviert und die Handbremse ganz angezogen. Der Neustart erfordert dann eine Zusatzsekunde, bis der Druck wieder aufgebaut und die Handbremse gelöst ist. Außerdem muss der Hold Assist erneut manuell aktiviert werden. Verschläft man den rechtzeitigen Neustart ein wenig, neigt man dabei oft zu einer gewissen Hektik mit zu viel Gas, so dass beim folgenden Anfahren häufig der Turbolader ungewollt aktiviert wird. Ergebnis: Start Marke „Bocksprung mit Gummidokumentation auf der Fahrbahn“! Einzige Abhilfe: Übung, Abgewöhnen, Vorzeichen der Grünphase besser deuten und Motor etwas früher starten!

Ein kleinerer Hubraum mit Turboaufladung hat gegenüber einem größeren Hubraum ohne Turboaufladung nur den Nachteil, dass plötzliche Leistungsanforderungen (z. B. zum Überholen) aus niedriger Drehzahl nicht direkt, sondern erst nach Herunterschalten möglich sind: Ein kleiner Nachteil, den ich bei den erheblichen Vorteilen gerne hinnehme.

Fahrzeuge mit 2Turboladern (Biturbo) haben dafür meist auch 2unterschiedliche Drehzahlschwellen, so dass faktisch 3unterschiedlich starke Motorleistungsspektren zur Verfügung stehen.

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