Geldbeutel's Stimme

Zunächst sollte mal der verfügbare Geldbeutel seine Stimme erheben dürfen. Auf keinen Fall sollten Sie jedoch bereits im Vorgriff irgendeine Schmerzgrenze festlegen. Informieren Sie sich zuerst in jeder Preisklasse und treffen erst dann eine Entscheidung in Abhängigkeit von Preis und Effizienz.

Leasing

Der Barschaftbedarf kann durch Leasing für scheinbar kleine Kampfzinssätze erheblich verringert werden. Dabei wird neben dem Gesamtpreis jedoch oft nur eine überschaubare Anzahlung mit Anzahl und Höhe der Monatsraten genannt, ohne den Interessenten auch das Mehrkostensummenprodukt unter die Nase zu reiben. Ich kann hier nur raten, sich selbst die Zinsen bis Laufzeitende auszurechnen.

Außerdem sollten Sie sich ein ausgesuchtes bestimmtes Wunschfahrzeug sowohl für Barkauf, als auch für Leasingkauf anbieten zu lassen. Oft muss man dabei abhängig vom Händler feststellen, dass bei Leasing ein geringerer Rabatt oder Altfahrzeugerlös gewährt wird. Oft lohnt sich die anderweitige Veräußerung des Altfahrzeugs. Hinzu kommen bei einem jungen Fahrzeug weitere Kosten durch überhöhten Wertverfall während der ersten Jahre, teure Vertragswerkstattpflicht zur Garantieerhaltung sowie die gebotene Vollkaskoversicherungspflicht, denen lediglich frühere Werkstattkosten, geringere Effizienz und weniger Komfort eines etwas älteren Modells gegenüber stehen. Addiert man all diese Zusatzkosten, wird der Effektivleasingzins schnell nicht mehr so niedlich aussehen und sollte deshalb erst nach diesen Erwägungen akzeptiert oder abgelehnt werden.

Von Jahr zu Jahr

Wer kennt nicht die Gepflogenheiten unserer zitternden Öffentlichen Hand beim Umgang mit fremder Leute Geld? Alle vorhandenen (und oft leider auch nicht vorhandenen) Gelder werden nach irgendwelchen mehr oder weniger sinnvollen Gesetzmäßigkeiten auf dutzende zweck- und zeitraumgebundene Töpfe, den sogenannten „Budgets“ verteilt.

Leistet sich ein Budgetverantwortlicher den Kavaliersdeliktlapsus, Teile davon zu verschwenden, ohne das hinreichend zu vertuschen, erhält er nach dem Aufdecken eine kleine Rüge, die nach kurzer Zeit vergessen ist.

Ungleich drakonischer geahndet wird das Kapitalverbrechen, das zugewiesene Kapital nicht vollständig im festgelegten Jahr auszugeben: Der Überschuss wird wiedereingezogen und ab nächstem Jahr weniger zugeteilt. Je mehr Budget man verantworten darf, desto früher wird man befördert. Ein Ansparen über die Jahreswende hinaus ist selbst dann nicht zulässig, wenn der Überschuss zusammen mit dem Nächstjahresbudget wesentlich effizienter investiert werden könnte.

Resultat: Besonders gegen Jahresende wird so manche vollkommen unbeschädigte Straße abgefräst und neu geteert. Ungleich wichtigere Investitionen müssen dann aus Geldmangel oft zurückgestellt werden. Das Argument, dass auch die Wirtschaft leben müsse, trifft bestenfalls kurzfristig zu. Blieben überflüssige Aufträge aus, würden manche Firmengeschäftsfelder mittelfristig vom Markt verschwinden. Die dabei freigesetzten Ressourcen (Personal, Kapital, Maschinen, Material) werden langfristig woanders wieder auftauchen und könnten dort sinnvolleres (z. B. Sonnenkollektoren) produzieren.

Wird hin und wieder die Nachricht über unerwartete Zusatzeinnahmen verbreitet, kriechen sofort aus allen Löchern zahlreiche Hyänen hervor, die mit Vorschlägen zum umgehenden Wiederausgeben aufwarten. Gottlob gibt es gelegentlich auch die eiserne Faust eines vorausschauenden Finanzministers, die den Schuldenabbau durchsetzt.

Von Monat zu Monat

Leider wird diese öffentliche Krankheit auch von vielen Privathaushalten adaptiert: Pünktlich am letzten Donnerstagnachmittag im Monat erhält die Mehrheit ihr Einkommen aufs Konto. Sofort am folgenden Freitag wird dann in die Supermärkte eingefallen, um sich mit den lebensnotwendigsten Grundnahrungsmitteln einzudecken. Dazu zählen auch Zigarettenstangen (schmeckt zwar nicht, lässt mich aber unwahrscheinlich cool aussehen), Spirituosen (schmeckt genauso wenig, betäubt mich aber zumindest zeitweise, um mein Elend solange vergessen zu können) und das süüüüüße Blüschen, das mich nicht vorbei lassen wollte, ohne es in meinen überfüllten Klamottenbunker umzuquartieren. Kurz darauf ab dem Monatsersten folgen die Zwangsabbuchungen Miete, GEZ, Alimente sowie die zahlreichen Monatsraten für den fast geschenkten Firlefanz, den man sich in der Vergangenheit hat aufschwatzen lassen.

Für den Rest des Monats sitzt man wie auf glühenden Kohlen und muss sich eisern zusammenreißen, nichts vom übrig gebliebenen kärglichen Rest zusätzlich auszugeben. Schließlich hat man unzählige Male schmerzhaft feststellen müssen, dass das am Monatsende unweigerlich zum überzogenen Konto führt. Kommt dann endlich das Monatsende schweißgebadet in Sicht, wird umgehend im Rahmen eines Kassensturzes penibel ermittelt, wie viel Bares nach Abzug der noch ausstehenden Raten genau übrig bleiben wird. Da diese übermenschliche Demonstration eiserner Disziplin nach erheblicher Belohnung verlangt, wird der Überschuss sofort im Rahmen einer Shoppingtour für irgendwelchen Tand ausgegeben, der keine 12 Monate später in der Ecke oder der Mülltonne endet. Schließlich darf dem Restkapital keinerlei Chance gelassen werden, sich mit neuem Einkommen zu vereinen, da es sich dabei unter Umständen vermehren könnte. Manchmal liegt der Grund auch an einer „Al Bundy-Mentalität“: Wird Resteinkommen nicht selbst rechtzeitig verprasst, riskiert man, dass jemand anders aus der Familie zuvor kommt. Bei Konfrontation mit dem Begriff „Sparbuch“ muss erst nachgeschlagen werden, bevor die vage Vermutung entsteht, was damit gemeint sein könnte.

Kenntnisse zur Erschließung schmerz- und steuerfreier Nebeneinkünfte sind bestenfalls hinsichtlich der Aktivierung von Sozialleistungen oder kostenloser Gelage beschränkt. Energiemanagement für Strom, Heizung oder Treibstoff sowie sonstige Verschwendungsvermeidung sind Fremdworte.

Von Auto zu Auto

Wer keine bessere Erziehung genießen durfte, wird zeitlebens einen grünen Zweig nur aus der Ferne zu sehen bekommen. Selbst ein unerwarteter Geldsegen durch Lotteriegewinn, Erbschaft oder Heirat wird bestenfalls vorübergehende Besserung bewirken. Bei einem anstehenden Autokauf bleiben folgende Optionen:

  • Aus chronischem Geldmangel wird auf den Autokauf verzichtet und auf öffentliche Verkehrsmittel ausgewichen. Diese Option ist die spritsparendste, da selbst ein halb besetzter Bus bei nahezu jeder Fahrweise wesentlich weniger Sprit als 30 PKW braucht. Darüber hinaus wird die Mobilität auf Zeiten und Ziele mit entsprechender Nahverkehrsanbindung beschränkt, so dass auch der Lebensstandard am geringsten ist.
  • Es wird ein älteres Vehikel gekauft, dessen Wert sich durch Volltanken mindestens verdoppeln lässt und deshalb den Namen „Auto“ nur weitläufig verdient. Diese Option ist meist sehr spritintensiv, sichert jedoch einen mittleren Lebensstandard.
  • Man least ein jüngeres Fahrzeug, das diesen Namen zu Recht trägt. Lebensstandard und Spriteinsparung sind dabei maximal. Jedoch kommt letztere nicht dem eigenen Geldbeutel, sondern dem der Leasingbank zugute.

Auch das andere Extrem soll zuweilen vorkommen. Warum wird kein vernünftiger Mensch auf die Idee kommen, einen Flugzeugträger besitzen zu wollen? Antwort: Man muss kein Gelehrter sein, um zu wissen, dass niemand weder den Kauf, noch die Unterhaltung bezahlen und auch nicht nutzen könnte. In unserer Konsumgesellschaft besteht die Aufgabe jedes Vertriebs sündhaft teurer Artikel darin, die zugehörigen Preise zu verschleiern und niedlich aussehen zu lassen. Die Kunden sind so über den Tisch zu ziehen, dass diese die dabei entstehende Reibung als Nestwärme empfinden.

Ein Paradebeispiel dafür ist das Mobilfunkgeschäft. Wer dieses nüchtern betrachtet, der weiß, dass ein Smartphone mit mobilem Internet eher 1000 als 1Euro kostet. Wem das klar ist, wird schnell keines mehr haben wollen, sondern mit einem normalen Handy und stationärem Internet zuhause Vorlieb nehmen. Wer trotzdem eins haben muss, wird auch wissen, dass ein Kaufgerät mit Prepaidkarte bei gleichem Komfort selbst mit Versicherung und Vorfinanzierungszinsen wesentlich billiger und sicherer als ein Leasingkaufgerät mit Vertrag ist. Er wird dann auch entsprechende Andacht beim Umgang damit beweisen, damit er nicht bereits nach 2Jahren das nächste zu ähnlichen Kosten braucht. Wer seit frühem Alter eine gesunde Sparsamkeitserziehung nach dieser Philosophie genießen durfte, gelernt hat, vor jedem Kauf genau zu überblicken, welche vollständigen Kosten auf ihn zukommen werden, immer genau weiß, was auf dem Markt gespielt wird, wird auch wissen, wo und wie am besten einzukaufen ist. Er wird ebenfalls wissen, bei welchem Einkauf man für etwas mehr Geld eine bessere Qualität für längere Lebensdauer mit damit letztlich geringeren Gesamtkosten erhält und wo nicht.

Ein DVD-Recorder ist genauso wie ein alter VHS-Recorder wesentlich schneller verschlissen als ein HDD-Recorder, Festplattenreseiver oder ein HTPC. Bei den 3 letztgenannten liegt dann zudem kein Totalschaden vor, da die verbrauchte Festplatte oder das DVD-Laufwerk für kleines Geld ersetzt werden können. Wer falsch oder minderwertig kauft, kauft mindestens doppelt.

Dem Eingeweihten wird klar sein, dass das freundliche Lächeln der netten Frau aus der örtlichen Bank zwar ungemein angenehm, jedoch keineswegs kostenlos, sondern aufgrund schlechterer Konditionen bis zu 5mal so teuer wie das nicht weniger freundliche Lächeln aus einer Direktbank durch die Telefonleitung ist.

Die Macht der Werbung bewirkt, dass Artikel, die eigentlich niemand braucht, vielen unverzichtbar erscheinen. Ungünstige oder ineffiziente Waren sollen ungerechtfertigt über lukrativere hervorgehoben werden. Wer gelernt hat, sich zur ausgesprochenen Minderheit zählen zu können, die sich diesem Einfluss erfolgreich widersetzt, wird sehr viel Geld für nicht gekaufte Waren sparen können, die ohnehin nach relativ kurzer Zeit verschlissen oder uninteressant in der Ecke liegen würden. Die Spareffekte einer jahrzehntelang gelebten gesunden Grundeinstellung werden sich potenzieren und trotz Verzicht letztlich zu einem nachhaltigeren, höheren Lebensstandard führen. Trotz mäßigem Einkommen und obwohl Sie nicht im Geld schwimmen, werden Sie immer genug Geld haben, um sich alles kaufen zu können, was Ihnen den zugehörigen Preis wert erscheinen lässt. Dabei ist vollkommen egal, ob es um den Kauf einer Waschmaschine, den Abschluss einer Versicherung oder eines Stromliefervertrages, um das Anmieten eines DSL-Anschlusses, um die Optimierung der Telefonie durch VoIP, um Geldanlagen oder Umschuldungen geht. Wissen ist Macht, auch wenn dieses nicht direkt beruflich oder kommerziell genutzt werden kann.

Wenn es dann um Wichtigeres wie einen Wohnungs- oder Autokauf geht, werden Sie schließlich nicht in die Verlegenheit kommen, einen faulen Kompromiss hinnehmen zu müssen, der ihnen weitere vermeidbare Leasing-, Werkstatt-, Sprit- oder Steuerkosten abnötigt. Man wird Sie dann auch nicht darauf hinweisen müssen, dass selbst wenn Sie über mehr Kapital als nötig verfügen, dieses nicht unbedingt vollständig für den Fahrzeugkauf verklopft werden muss. Auch mit ausreichend Kapital für den Kauf des für Sie optimal maßgeschneiderten Autos lässt sich somit enorm Sprit sparen. Nebenbei sitzt man dann auch schöner als in einem Klappergestell.

Sofern Sie nicht durch besondere Anlässe wie z.B. einer Abwrackprämie oder aktuell hohen Neuwagenrabatten zu einem Neuwagenkauf „gezwungen“ werden, empfehle ich in beiden Finanzsituationen ein Fahrzeugkaufalter von 3 bis 4 Jahren als gesunden Kompromiss. Die optimale bereits verbrauchte Kilometerleistung sollte von Ihrem eigenen Jahresbedarf abhängig gemacht werden. Wenn Sie nur wenig fahren werden, darf das Fahrzeug - gegen Preisnachlass versteht sich – ruhig etwas mehr Kilometer auf dem Buckel haben, um es genauso lange nutzen zu können, bis der Zustand der Karosse dem schließlich ein Ende setzt. Zur Ermittlung des Optimums brauchen Sie nur eine realistische Fahrzeuglebenserwartung in Jahren und Kilometern zu schätzen, Ihren eigenen Kilometerbedarf während der Ihnen verbleibenden Jahre hochzurechnen und von der Gesamtkilometerlebenserwartung abzuziehen.

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